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Der aktuelle Forschungsstand zu der Darstellung von Sportlerinnen in den Medien

Internationale Forschungsarbeiten haben sich zunehmend mit der medialen Darstellung von Athletinnen beschäftigt. Eine österreichische Studie hat ergeben, dass Athletinnen nur 12 Prozent der gesamten Sportberichterstattung in österreichischen Medien ausmachen. Diese Untersuchung analysierte insbesondere die Art der Darstellung, wobei festgestellt wurde, dass Sportlerinnen häufiger sexualisiert präsentiert werden als ihre männlichen Pendants. Des Weiteren neigen die Medien dazu, Sportlerinnen in vereinfachter und oft verminderter Form darzustellen, was zu einer Wahrnehmung ihrer geringeren Stärke und Leistungsfähigkeit führt. Im Gegensatz dazu werden männliche Athleten tendenziell mit actionreichen Bildern präsentiert und erhalten umfassendere und detailliertere Berichterstattung. (Pernegger, 2021).  

Außerdem zeigte eine Studie von Cranmer, Brann und Bowman (2014), dass Sportlerinnen häufig nicht im sportlichen Kontext abgebildet werden. Diese Darstellungsweise führt dazu, dass die Leserinnen und Leser die Athletinnen oft als weniger athletisch wahrnehmen.

Mannion (2016) stellt fest, dass weibliche Athletinnen in den USA im Vergleich zu ihren männlichen Pendants in den Medien unterrepräsentiert sind. Diese Unterrepräsentation kann sich in Form reduzierter Berichterstattung, verminderter Sichtbarkeit oder eingeschränkter finanzieller Unterstützung für Frauen im Sport manifestieren. Die Analyse ergab zudem, dass die mediale Darstellung weiblicher Athletinnen häufig von Geschlechterstereotypen und traditionellen Geschlechterrollen beeinflusst wird. Dies zeigt sich beispielsweise in der Betonung äußerlicher Merkmale, der Objektivierung oder der Reduktion auf Sportarten, die als traditionell „weiblich“ gelten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese mediale Repräsentation die Wahrnehmung von Frauen im Sport prägen kann. Negative Stereotypen oder unzureichende Berichterstattung könnten dazu beitragen, dass Frauen im Sport als weniger ernstzunehmend oder weniger leistungsfähig wahrgenommen werden.

Murray (2018) untersuchte die Darstellung von weiblichen Athletinnen in dem Sportmagazin „Sports Illustrated“. Die Studie ergab unter anderem, dass in Berichten von Sportlerinnen auch noch Sportler erwähnt werden, was den Fokus und die Aufmerksamkeit von den weiblichen Athletinnen wegnimmt. Es wurde auch herausgefunden, dass Emotionen viel häufiger erwähnt werden in Berichten mit weiblichen Athletinnen.

Die Studie von Gomez-Gonzalez, Dietl, Berri und Nesseler (2023) untersucht, ob das Wissen um das Geschlecht der Spieler die Wahrnehmung der Spielqualität beeinflusst. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kenntnis des Geschlechts der Spieler tatsächlich einen Einfluss auf die wahrgenommene Qualität der Spiele hat. Konkret neigten die Teilnehmer dazu, Spiele, in denen Frauen spielten, als von geringerer Qualität einzuschätzen, selbst wenn die tatsächliche Leistung der Spieler vergleichbar war. Diese Befunde deuten darauf hin, dass geschlechtsbezogene Vorurteile die Wahrnehmung sportlicher Leistung beeinflussen können, auch wenn solche Vorurteile nicht durch objektive Leistungsparameter gerechtfertigt sind.

Der „Women in Sport Report 2021“ untersucht das Wachstum des Frauensports und dessen Bedeutung für Marketingfachleute. Die Studie bietet eine umfassende Analyse des Trends hin zu einer verstärkten Beteiligung von Frauen im Sport und beleuchtet die Implikationen für Unternehmen und Marken. Die Analyse dokumentiert ein wachsendes Interesse und eine zunehmende Teilnahme von Frauen an verschiedenen Sportarten und Ebenen, einschließlich lokaler, nationaler und internationaler Wettbewerbe. Die Studie identifiziert „angebotsspezifische“ Probleme als Hauptfaktoren, die Verbraucher davon abhalten, sich mit Frauensport zu engagieren. Dazu gehören eine geringe Medienpräsenz, unzureichendes Marketing sowie mangelnde Informationen und Kenntnisse über den Frauensport. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen bereit wären, mehr Frauensport zu konsumieren, wenn dieser verstärkt im Fernsehen präsentiert würde. Der Anteil der Personen, die derzeit keinen Frauensport konsumieren, beträgt 12%, wobei dieser Anteil in den USA (26%) und im Vereinigten Königreich (24%) am höchsten ist.

Aktuell macht Sport 18% der Gesamtberichterstattung in den Schweizer Medien aus. (Vogler, 2021) Laut einer Schweizer Studie befindet sich der Frauenanteil in den Schweizer Sportmedien aktuell zwischen 19% und 29%. Dieser Wert variiert je nach Medium. Es wurde ausserdem festgestellt, dass Frauen mehr repräsentiert sind, kommen die Inhalte von den Journalistinnen und Journalisten selber und nicht von einer Agentur. (Schwaiger et al., 2021)

Im oberen Teil wurde festgestellt, dass die Sportvereine einen grossen Einfluss auf den Sportjournalismus haben. (Bertling & Schierl, 2020) Die kann unter anderem erklären, wieso Frauen im Sportjournalismus unterrepräsentiert sind. Diese Studie gab zum ersten Mal Aufschluss darüber, wie die Repräsentation von Frauen in den Medien ist. Es wird ausserdem diskutiert, dass qualitative Forschung nötig sei, um mehr Informationen über den Zustand der Schweizer Medien zu gewinnen. (Schwaiger et al., 2021)

Die Medienberichterstattung über Sportlerinnen, einschließlich der Art und Weise, wie diese dargestellt werden, hat maßgeblichen Einfluss auf unsere Wahrnehmung und die kulturelle Perzeption von Sport. Die Entscheidung darüber, welche Themen im Journalismus behandelt werden, ist ein Zusammenspiel von Medienagenda und Publikumsagenda. Während Journalistinnen und Journalisten bestimmen, welche Inhalte präsentiert werden, üben auch die Interessen und Präferenzen der Leserinnen und Leser sowie die Einflussnahme von Sportvereinen eine bedeutende Rolle aus.

In der Praxis zeigt sich, dass Sportlerinnen in der Medienberichterstattung häufig unterrepräsentiert sind. Dieser Umstand kann durch die genannten Einflussfaktoren teilweise erklärt werden. Zudem ist die Art und Weise, wie Sportlerinnen dargestellt werden, von wesentlicher Bedeutung, da sie das Interesse des Publikums beeinflussen kann. Eine ansprechende und gezielte Darstellung hat das Potenzial, das öffentliche Interesse zu wecken und somit die Häufigkeit der medialen Präsenz von Sportlerinnen zu erhöhen. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit einer kritischen Analyse der Quantität und Qualität der Berichterstattung über weibliche Sportlerinnen im Sportjournalismus.

Quellen
  • Bertling, C. & Schierl, T. (2020). Sport und Medien (Medienwissen kompakt). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.
  • Cranmer, G., Brann, M. & Bowman, N. (2014). Male Athletes, Female Aesthetics: The Continued Ambivalence Toward Female Athletes in ESPN’s The Body Issue. International Journal of Sport Communication, 7, 145–165.
  • Gomez-Gonzalez, C., Dietl, H., Berri, D. & Nesseler, C. (2023). Gender information and perceived quality: An experiment with professional soccer performance. Sport Management Review, 1–22.
  • Mannion, K. A. (2015). Play Like a Girl: An Analysis of Media Representation of Female Athletes, 2015.
  • Murray, B. (2018). A Content Analysis of Sports Illustrated’s Portrayal of Female Athletes and Its Impact on. Masters Theses. 518.
  • Pernegger, M. (2021). Genderbalance in der Sportberichterstattung? Studie über Präsenz & Inszenierung von Sportlerinnen und Sportlern in österreichischen Medien. Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH, Fachbereich Medien.
  • Schwaiger, L., Vogler, D., Fürst, S., Kessler, S., Humprecht, E., Schweizer, C. et al. (2021). Darstellung von Frauen in der Berichterstattung Schweizer Medien (Band 12, S. 51–62).
  • Vogler, D. (2021). Sportberichterstattung in Schweizer Nachrichtenmedien: eine vergleichende Analyse aus einer normativen Qualitätsperspektive von 2011 bis 2019.
  • YouGov. (2021). Women in sport report 2021. Zugriff am 27.11.2023. YouGov. Verfügbar unter: https://commercial.yougov.com/rs/464-VHH-988/images/YouGov-Women-in-sportwp.pdf?mkt_tok=NDY0LVZISC05ODgAAAGJMlV6W9v6qpZ4FrMpRj9IEk4Wxe886mChDew9GFukC0ERR7YS2s5rJlIwLxFweCSBuYaHl58GEl-y0Lu3QRXwy- 5WV2bfGhh7WeCY415JiopH9